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"Von einer Aufgabe des Freimaurers" von D.W.
Lieber Geselle
Du kamst einst als Lichtsuchender durch diese Tempelpforte und wurdest als Lehrling unserer Loge aufgenommen. Heute wurdest Du nun in dieser feierlichen und würdigen Arbeit zum Freimaurergesellen befördert. Ich habe Dich als einen ruhigen und besonnenen Bruder kennen und schätzen gelernt, einen Bruder, der mit Bedacht seinen Weg wählt. Du bist nun Freimaurergeselle mit allen Rechten und Pflichten. Du kannst nun als Geselle auf die Wanderschaft gehen. Du hast nun Zeit, Dich mit anderen Logen, anderen Brüdern, anderen Gebräuchen und Ritualen zu beschäftigen. Sicherlich wirst Du die Gastfreundschaft der befreundeten Logen erleben, ein hohes und bemerkenswertes Gut in der Freimaurerei. Reisen bildet! Damit meine ich nicht nur die symbolischen Reisen hier im Tempel sondern auch die Reisen zu befreundeten Logen und Brüdern.
Du wirst dann einen ungeheuren Reichtum an Ritualen kennen lernen, Du darfst die Unterschiede entdecken und studieren wie die verschiedenen Logen, wie die verschiedenen Brüder ihre Freimaurerei leben und ausprägen. Da wartet eine wunderbare, unvergleichliche Vielfalt in Gleichheit darauf, im wahrsten Sinne des Wortes von Dir entdeckt zu werden.
- Jede Loge schmückt ihren eigenen Tempel
- Jede Loge inszeniert ihr eigenes Ritual
- Jede Loge manifestiert ihr eigenes Logenleben
- Jede Loge prägt die grundsätzlich gleichen Gedanken und Ideen der Freimaurerei auf ihre eigene Art und Weise aus.
- Jede Loge baut so den Tempel der Humanität ein kleines Stück weiter und versucht damit, die Dinge in ihrer direkten Umgebung, im kleinen wie im grossen, ein klein wenig zum Bessern zu bringen.
Als Freimaurergeselle bist Du im zweiten Grad auf Deinem Weg. Es gilt, die Brüder, das Logenleben, die Gedanken der Freimaurerei zu verinnerlichen und irgendwie, fast unbemerkt, mehr und mehr in den Alltag zu integrieren.
Ja, das Logenleben und das Leben als Freimauer muss und darf im Alltäglichen stattfinden, im Alltäglichen sind wir uns selbst am nächsten. Nur so kommen wir selber auf unserem eigenen Weg weiter und können darüber hinaus der gemeinsamen Sache dienen.
Da drängen sich doch einige interessante Frage auf, meine Brüder:
Seid Ihr alle denn erst mit dem Eintritt in Eure jeweilige Mutterloge zu Freimaurern geworden?
Warum zog Euch denn das Gedankengut der Freimaurerei überhaupt an?
Warum zog es Euch einst in eine Loge, ein Geheimnis umwitterter altmodischer Ort, nur von Männern bevölkert?
Was ist es, was Männer auf der ganzen Welt pünktlich zur Arbeit in die Tempel treibt?
Was treibt Euch selbst?
Wart Ihr vielleicht alle schon Freimaurer im Geiste, Freimauer ohne Schurz, bevor ihr von Eurer Mutterloge als Lehrling angenommen wurdet?
Hattet ihr möglicherweise schon früh das Gefühl, dass es sich lohnt für Menschenrechte und Humanität zu streiten?
Hattet ihr schon eine unbewusste Idee von der Arbeit der Freimaurer?
Hattet ihr möglicherweise schon eine leise Ahnung von der Würde und der Schönheit der Rituale?
Wie sagte unser weiser Bruder Goethe so treffend:
"Und wenn das Auge nicht sonnig wär, wie könnt es je das Licht der Welt erblicken?"
Was will uns das sagen meine Brüder? "Und wenn das Auge nicht sonnig wär..." .
Hättet Ihr die Schönheit der Königlichen Kunst entdecken können, wenn nicht ein kleiner Funke in jedem von Euch schon vorher vorhanden gewesen wäre?
Meine Brüder, Ihr alle, die Ihr hier und heute hier versammelt seid, habt irgendwann erkannt, dass der Weg der Humanität für Euer Leben der richtige Weg ist. Ihr habt aber auch gespürt, dass dieser Weg steil und steinig ist und täglich seinen Tribut fordert und so habt Ihr entschieden, dass eine Möglichkeit, diesen Weg zu gehen, wie gesagt, eine Möglichkeit, der Schulterschluss mit anderen Pilgern, mit Brüdern, auf diesem Weg ist. Dieser Schulterschluss kann jedem von uns, der Freimaurischen Sache und der ganzen Menschheit dienlich sein. Dieser Schulterschluss auf ewig, symbolisiert sich in der Bruderkette und wird durch jedes Bilden der Bruderkette neu geschmiedet und neu begründet.
Meine Brüder:
Die Freimaurerei ist feierliche Aufgabe und harte tägliche Verpflichtung zugleich. Das Logengeflüster sagt: "Laue Freimaurerei ist ein schrecklich Ding." und das ist wohl wahr, meine Brüder, ein schrecklich Ding.
- Darum darf ein Bruder Fragen stellen,
- darum darf ein Bruder unbequem sein,
- darum sind wir nicht immer einer Meinung,
- darum ringen wir so oft um den Weg,
- darum suchen wir wahrhaftig nach Wahrheit,
- darum kommen wir hier immer wieder zusammen.
- Darum meine Brüder, weil wir alle ewige Lehrlinge sind, weil wir alle immer auf der Suche sind und unseren rechten Weg Tag für Tag auf ein Neues suchen und finden müssen.
- Darum sind wir hier meine Brüder.
Br. D.W.
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