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Verwische meine Kreise nicht

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Der Europarat
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Verwische meine Kreise nicht

Und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht angenommen

So steht es geschrieben im Johannes Evangelium Kapitel 1 Vers 5. Seit meiner Aufnahme in den Freimaurerbund habe ich mich gefragt, wieso denn nur der zweite Halbsatz

ET TENEBRAE NON COMPREHENDERUNT

seinen Niederschlag über dem Stuhlmeister Stuhl unseres Tempels gefunden hat. War es Absicht? War es Zufall? War es etwa gar nur aus Platzgründen oder war es die Erkenntnis eines sehr sehr weisen Freimaurer-Bruders? Würde man eine andere Bibelstelle, nämlich

SO STEHT ES GESCHRIEBEN , SO SEI ES

in den Kontext zu meiner vorherigen vierten Frage bringen wollen, bedeutete dies die Resignation unseres Bundes vor der profanen Welt oder - weit bedauerlicher - die träge oder missglückte Umsetzung des freimaurerischen Gedankengutes in den eigenen Reihen.

SO ABER, SO IST ES NICHT

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zum Milleniumswechsel haben ökonomische und technologische Innovationen eine Kulturrevolution ausgelöst, die irreversibler und unaufhaltsamer nicht sein könnte. Das gleichzeitige und dauerhafte Zusammentreffen von drei Einflussgrössen, die jede einzelne nie zuvor in der Menschheitsgeschichte in so massiver Ausprägung möglich gewesen war, bewirkt eine global wirksame Hyperdynamik. Auslöser dieser Entwicklung sind

  • die Oeffnung der Weltmärkte
  • die Entstehung einer omnipotenten
  • Informationsindustrie, und
  • die Demontage von Lebenswerten.

In jüngerer Vergangenheit ist die globale Marktöffnung zum Leitthema geworden. Grenzzäune quer durch die Welt werden niedergerissen. Nationale Grenzen verwischen sich zugunsten kontinentaler Konzeptionen. Die Wucht alleine dieses Faktors wird unvorstellbare Veränderungen auslösen. Kontinentalwährungen, gigantische regionale Budgets, Zentralisierung legislativer, normativer, administrativer und politischer Funktionen werden die Nationalstaaten aushebeln und gleichzeitig die Regionen stärken (z.B. die Region Lombardei, Schweiz, Bayern als d i e bestimmende Wirtschaftsregion Europas). Nebst der Beseitigung nationaler Schranken und der Definition kontinentaler Aussengrenzen (Schengener Abkommen) sind riesige Ströme anderer Art zu beobachten.

Stündlich fliessen enorme Geldmengen, ausgelöst durch elektronische Befehle, rund um den Erdball. Börsengurus, Finanzjongleure und Notenbankchefs sind bei einer dosierenden Kontrolle heillos überfordert. Ein Zauberlehrlings-Syndrom macht sich breit, das man einerseits nicht nur nicht mehr los wird, das sich andererseits auch noch unglaubliche Narrenfreiheiten herausnimmt, mit der Konsequenz, dass wenn die Freiheiten verlorengegangen, die Narren der Nachwelt erhalten bleiben. Dies ist keineswegs etwa ein Abstraktum, sondern entfaltet seine faulig riechenden Blüten auch in der schweizerischen Wirtschaft und anderen hiesigen Organisationen. Ich erinnere an Swissair, ZFS, CS, ABB, Rentenanstalt. Um mit Professor Malik zu sprechen "war es zu vielen falschen Leuten möglich, in hohe, für sie eben zu hohe Positionen zu gelangen und dort zu lange Schaden anzurichten". Falsche Leute sind Geldgetriebene, Machtbesessene, Profilneurotiker, Egozentriker, In-Sich-Zerrissene. Was aber gebraucht wird, sind Eliten, die nicht elitär sind. Geradliniges Denken, Bodenständigkeit u. Solidität sind gefordert und nicht Selbstdarstellertum, Kompromiss-Politiker quasi sozialer Prägung mit millionenschwerem Hintergrund, die allen zu Gefallen sind, aber niemandem einen Gefallen erweisen. Vorgenannte Tugenden sind weder spiessig noch veraltet, nur scheinen sie zur Zeit etwas ausser Mode geraten zu sein. Auch Menschen u. Materialströme bedrohen uns. Was historisch als Völkerwanderung bekannt ist, war die langsame Einwanderung von nur 70 000 Indogermanen aus dem zentralasiatischen Raum nach Europa. Heute sind zu jeder Zeit 650 Millionen Menschen auf Reisen. Was manche Staaten durch Transitverträge begrenzen wollen, ist nicht begrenzbar, denn w i r haben sie, die nomadisierenden Wirtschaften und Gesellschaften, hervorgerufen.

So umfangreiche Ueberschwemmungen aus Mensch, Material, Geld und Daten waren bislang nicht möglich. Diese Fluten bedeuten Arbeitsmarkt-Chancen, aber auch das enorme Risiko des Ertrinkens weniger kräftiger Mitglieder der Gesellschaft. Globalisierungsgegner zu sein ist dennoch ein anachronistisches Unterfangen, denn die Weltwirtschaft ist nicht mehr aufzuhalten. Marktöffnungen sind, wenn richtig aufgesetzt, grundsätzlich positiv und demzufolge eine gute Nachricht.

Eine zweite gute Nachricht ist das Ende der Massen-Menschhaltung. 5000 Jahre lang gab es Sklaverei, in der Menschen wie Nutztiere gehalten wurden. 1000 Jahre lang dominierte in Europa die Leibeigenschaft, in welcher Unfreie Frondienste leisten mussten, ihren Zehnten entrichteten und körperlich abhängig gehalten wurden. In den letzten 200 Jahren herrschte ein Modell der Lohnabhängigkeit von Arbeitern und Angestellten.

Die Erfindung des Heimcomputers in Verbindung mit der Telekommunikation bedeutete anfang des 3. Jahrtausends das Ende dieser Lebensform. Die freie Wahl des Arbeitsortes erlaubt auch die freie Wahl der Arbeitszeit. Diese Entwicklung ist aber auch gleichzusetzen mit dem Beginn der Nomadisierung der Arbeitswelt. Betriebliche Legebatterien, in denen Angestellte ihre regelmässige Arbeitsleistung an die Batteriebesitzer abliefern, werden in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören. Internet macht's möglich.

Im momentanen Wirtschaftsgetriebe haben wir es vorab mit der Freisetzung von älteren Mitarbeitern zu tun, gepaart mit dem generellen Willen, soviele Angestellte wie möglich abzubauen, um Betriebsergebnisse zu maximieren. Unter dem Deckmantel der flexiblen Arbeitswelt verbirgt sich auch eine nie gekannte Unverbindlichkeit zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden - und zwar von beiden Arbeitspartnern in Anführungsstrichen. Der Trend geht hin zur Teilzeitarbeit, Engagements auf Projektbasis, Bereitstellung von Zeitpersonal, Selbständigkeiten ohne materielle Absicherung in sogenannten small offices-small homes, im Kürzel sinnigerweise unter SOHO's bekannt. Soziale Netze werden minimiert, Mehrfach-Jobs werden an der Tagesordnung sein, Arbeitslosigkeit ist mit beruflicher Fortbildung maskiert. Die umfassende Bedeutung dieser dynamischen Arbeitswelt, nämlich dass Menschen freigesetzt, gekündigt, entlassen oder selbständig gemacht werden, ist kaum abzuschätzen. Eines aber steht fest: Die Psychiater haben eine glänzende Zukunft vor sich.

Die schlechte Nachricht ist, dass vermehrt wertelose Zeiten auf uns zukommen. Eliminiert man gar das zweite e, so werden diese Welten nicht nur wertelos sondern wertlos werden. Heutige Wertehierarchien werden zerstört. Sie brechen weg wie Aktienkurse an einem schwarzen Börsenfreitag. Politische Ideologien werden je länger je mehr ignoriert . Die Zahl der Kirchenaustritte hat längst schon zugenommen, ausgelöst von Kirchenvertretern, deren Tätigkeit für sie keine Berufung sondern zu einem easy going job verkommen ist. Viele Menschen glauben statt an Gott an Geld. Die Sozialisierung vieler Jugendlicher vollzieht sich nicht mehr in den Wohnzimmern der Familie, sondern im chatroom des Internets ohne Zensur durch die Computer-Analphabeten Vater und Mutter. Moderne Vater-Mutter-Kind-Triaden sind liberaler und permissiver eingestellt. Dem heutigen höheren Grad familiärer Konfliktlosigkeit und vordergründiger Harmonie stehen niedrige Beziehungsdauer und seichte Kontakttiefe gegenüber. Viele Kinder werden nicht einmal mehr ignoriert. Es scheint völlig egal zu sein, was für Noten sie nach Hause bringen. Es gibt ja auch keine unfähigen Kinder mehr, sondern nur noch unfähige Lehrer. Junge Menschen suchen im Gegensatz zur 68er Generation nicht mehr die Konfrontation, sondern Nischen virtueller Art, nämlich das Internet-Chating um sich vor "Verletzungen" zu schützen. Psychohygienische Unterversorgung paart sich mit Sozialisierungsdefekten. Autoritäten werden als solche nicht mehr akzeptiert. Die Entsolidarisierung hat im Alltag Einzug gehalten.

Die allgemeine Lebensgier und der Wettlauf nach Grandiosität wird allgemein akzeptiert. Der Applaus für die Schnellsten, die Schönsten, die Grössten, die Reichsten ist unüberhörbar. Er übertönt jedes gesunde Misstrauen gegenüber diesen Erlebensräuschen. Das Leben sei ein Hit und wer daran zu zweifeln wagt, wird als armes Schwein auf der Verliererstrasse angesehen. Die rasend gewordene Kommerzgesellschaft mit ihrer gefrässigen Finanzphilosophie zwingt uns ein Lebenstempo auf, das keine Ruhe duldet. Wer rastet, rostet; Stehenbleiben bedeutet Tod. Wer früher stirbt ist länger tot. Doch wer zieht das in der Ungewissheit sich verbergende "länger tot sein" dem Erlebnis vor? Kommt hinzu, dass unsere Urängste nirgends ausgesprochen werden dürfen, da es schlicht unschicklich ist, Angst zu haben oder gar darüber zu sprechen. Und das dahinrasende Leben wird schneller und schneller. Wir zeigen durch eine Art Lebenswut an, dass wir noch im Leben stehen, mehr und länger und intensiver da und unterwegs sind als andere. Es reicht uns schlicht nicht, zu leben. Wir müssen unser am Leben-Sein tagtäglich von neuem beweisen. Und dies als sicht- und erlebbares Argument gegen die letzte Konsequenz: den Tod. Ueberlebensstrategien werden nur entworfen, um Ablebensängste geschickt zu unterdrücken. Aber gerade diese Art von Leben ist die Krankheit, die zum Tode führt. Der pragmatische Ansatz, mit dieser Rasanz zurechtzukommen wäre die erträumte existentielle Entspannung. Der Weg zur Entschleunigung aus diesem Tempo das GPS.

Die Weltmarktwirtschaft bringt unzweifelhaft Arbeitsmarktchancen. Es sei aber die Frage erlaubt: Für alle? Und wieviele Marktwirtschaften sind, wenn nicht mit einem menschlichen Antlitz versehen, durch unprofessionelles Vorgehen des Internationalen Währungsfonds schon zerstört worden? Die Informationsindustrie, allüberall, allgegenwärtig und allgewaltig verhilft uns in Sekundenbruchteilen zu Informationen, für welche wir zu Beginn des letzten Jahrhunderts noch Tage wenn nicht Wochen gebraucht hätten. Aber sie verwandelt diesen Globus auch in eine kleinbürgerliche Wohnstube, wo jeder über jeden alles weiss, jeder jeden kontrolliert und zu domestizieren versucht, wo goliat'sche Kontinentalregierungen ihre david'schen Bürger bestenfalls noch als Sozialversicherungsnummern und Steuer-entrichtende Neutra elektronisch zur Kenntnis nehmen. Die Weltwirtschaft optimiert die Arbeitswelt, sprich möglichst wenig Mitarbeitende, die Industriekapitäne plündern inzwischen nicht mehr die Portokassen sondern tun sich an den Schatztruhen ihrer Unternehmen gütlich, tauchen nach dem obligaten Entrüstungsschrei der Oeffentlichkeit für 6-12 Monate unter, um dann an Spitzenpositionen wieder aufzutauchen. Herr Bruggisser, seines neuesten Zeichens CEO der maltesischen Fluggesellschaft, lässt grüssen.

Wen wundert's wenn tradierte Werte belächelt und durch neue, wie

  • Geld
  • Macht
  • Gleichgültigkeit
  • Egoismus
  • Unmenschlichkeit

ersetzt werden.

Und da erfrecht sich einer zu fordern

VERWISCHE MEINE KREISE NICHT

Wir können uns dieser Welt nicht entziehen. Unsere persönlichen Kreise werden täglich verwischt, ausradiert, überschmiert. Wir selbst lassen sie implodieren und dem Staub der Geschichte anheimfallen. Unsere Kreise werden ausgewischt, wenn jüngere Generationen ältere im Berufsleben ablösen, wenn Aktive in Pension gehen oder in Rente gegangen werden, wenn Alte und Kranke in Alters- und Pflegeheimen zwischenparkiert werden. Im Moment des Ursprungs allen Seins liegt der Plan des ABAW, der Plan des Lebens und des Todes, der Plan des Entstehens und Vergehens - auch unserer persönlichen Kreise.

Gibt es Wege, die beschritten werden könnten, um Existenzprobleme und Existenzängste zu überwinden oder zu mildern? Es gibt sie in der Tat. Doch es sind keine gepflästerten Autobahnen, die von allen mühelos befahren werden können, sondern es sind Bergpfade, kurvenreich, steinig, mit Schlaglöchern übersät, ansteigend und auch wieder steil abfallend, nicht hell ausgeleuchtet, aber doch mit Lichtern versehen.

Und dies ist der Grund, wieso der zweite Halbsatz des Johannes Evangeliums Kapitel 1 Vers 5

ET TENEBRAE NON COMPREHENDERUNT

für das Gros der Menschheit seine Gültigkeit behält und behalten wird.

Denn, wer nimmt den Pfad der Stille auf sich? Wer will sie denn, diese Stille? Stille wird rasch unerträglich, da man Zeit bekäme, sich mit sich selbst zu beschäftigen und über seine Kreise nachzudenken. Wie viele Menschen haben an Heilig Abend "Stille Nacht" gesungen und sind zu Weihnachten in die Karibik abgeflogen, um dieser Stille entfliehen zu können?

Humanismus oder Neohumanismus wäre ein zweiter begehbarer Weg. Wer aber strebt schon eine vornehme menschenwürdige Daseinsgestaltung an, nachdem uns der Wärmetod der Zwischenmenschlichkeit dem Erfrieren nahe gebracht hat, der Mensch den Menschen erübrigt, Gemeinheiten alltäglich, Anstand und Achtung Fremdwörter in unserer Gesellschaft geworden sind?

Toleranz im Sinne des Entgegenkommens und des Verständnisses für den Mitmenschen wäre ein dritter Pfad, denn wie, meine lieben Bbr. alle, wie könnte die Menschheit ohne Menschlichkeitswerte überleben?

Und daher noch immer meine Forderung

VERWISCHE MEINE KREISE NICHT

nämlich die Kreise des Bundes, dem wir alle angehören, dessen Grundsätze und Prinzipien wir bejahen, befolgen und leben. Sie sind die Orientierungshilfen, die Lichter, die die vorerwähnten Pfade begehbar machen. Und wer diese Lichter wirklich sucht, der kann sie auch finden. Und deshalb ist es nicht, wie eingangs dieser Zeichnung hinterfragt, Resignation unseres Bundes vor der profanen Welt, sondern die Erkenntnis, dass Suchende nicht gedrängt werden sollen. Und aus eben diesem Grunde will die Freimaurerei nicht missionarisch sein. Zurecht aber sagte Alt-Grossmeister Hans Bühler in seiner 1998-er Neujahrsbotschaft auch, dass es nicht ausreicht, in der Stille unserer Tempel für ein paar Stunden dem Getöse des Alltags, der rasend gewordenen Konsumgesellschaft zu entfliehen und dann zu meinen, den freimaurerischen Verpflichtungen nachgekommen zu sein. Wir Freimaurer sind gehalten, uns mit aktuellen wirtschaftlichen, sozialen und ethischen Fragen auseinanderzusetzen. Es ist unsere Pflicht als Freimaurer und Staatsbürger, an der Gestaltung unserer Gesellschaft aktiv teilzunehmen, weitere Lichter anzuzünden, um den Suchenden die Orientierung zu erleichtern.

Unsere Tempel sind für uns Reduits. Orte der Stille, Orte des Besinnens und des Nachdenkens, vorallem aber Orte des Auftankens, um mit Energie unsere freimaurerischen und staatspolitischen Pflichten zu erfüllen. Alle Zeit, die wir im Alltagsgetöse nicht zu haben glauben, wird uns in unseren Tempeln gegeben. Und diese Stille gilt es zu nutzen. Zu nutzen, um dem Werteverfall Einhalt zu gebieten, zu verhindern, dass unsere Heimat, unsere Gesellschaft wertelos, unser aller Leben zum non-valeur abgestempelt, unsere Kreise ausradiert werden.

Dabei stehen wir mitnichten mittellos da. Wir haben unverrückbare aber auch undiskutierbare Positionslichter. Deren Wichtigste sind die Bibel, das Winkelmass und der Zirkel.

Die Bibel steht sinnbildlich für die göttliche Ordnung und die Weisheit. Für uns Freimaurer gilt die Formel "Gott ist tot" nicht. Wer den ABAW und eine göttliche Ordnung nicht anerkennen will, für den ist nicht Platz in unseren Reihen.

Das Winkelmass symbolisiert ein Handeln nach Recht und Pflicht. Wahrheit und Wahrhaftigkeit sind keine leeren Floskeln. Sie werden nicht doziert, sondern müssen gelebt werden. Das Winkelmass findet uns denn auch in unserem Gelübde wieder, wo es heisst

ich gelobe die Gesetze des Freimaurerbundes gewissenhaft zu befolgen, für das Gedeihen meiner Loge zu wirken, meine Brüder zu lieben und ihnen mit Rat und Tat beizustehen, soweit dies meine Ehre und meine Pflichten gegen Gott, Vaterland und Familie gestatten

Freimaurer anerkennen somit Pflichten gegen Gott bzw. dessen göttliche Ordnung, Vaterland und Familie. Für uns sind Bindungen zum Staat und zur Familie nicht nur im Rahmen von Anspruchsmentalitäten opportun. Wäre Frau Robert, notabene Ex-Nationalratspräsidentin, ein Herr Robert, so wäre dieser Herr Robert schon aufgrund seiner Aussage "la Suisse n'existe pas" für unseren Bund unqualifiziert. Für uns Freimaurer hat die Ehe und damit die Familie nicht den Status einer Hundemarke, die man nach Belieben zurückgeben und gegen eine neue eintauschen kann. Ehe und Familie sind die Urzellen unseres Staates. Wuchern bereits diese, so ist über kurz auch unser Staat vom Krebs befallen.

Der Zirkel will ausdrücken, dass der Mittelpunkt unserer Handlungen die Liebe ist. Der Kern jeder Liebe aber ist die Achtung. Unser Ritual I sagt denn auch wunderschön

diese Bruderstimmen heissen dich willkommen geliebter Bruder. Unsere ineinander geschlungenen Hände vereinigen dich mit uns und dem Altar der Wahrheit. Sie sagen dir, dass wir dich nie verlassen werden, solange Wahrheit, Recht, Verschwiegenheit und Bruderliebe dir heilig sind.

Und kurz darauf sagt der Meister vom Stuhl:

ich fasse und drücke die Hand dieses ehrlichen Mannes, der sich nie die Verachtung seiner Brüder zuziehen wird.

Und nach dem Gelübde wird bekräftigt geschlossen ist nun der Bund des Lebens.

Die Bruderliebe ist, da auf Achtung beruhend, nicht unkritisch oder uneingeschränkt. Wir achten nicht diejenigen, die an der Spitze stehen, die Grössten, die Schnellsten oder gar die Reichsten. Achtenswert sind jene, die das Ich überwunden haben, die im Einklang mit ihrem Ich sind, die uneigennützig im Dienst der Sache stehen. Und sollte je der Dienst am Bruderbund mit Machtanspruch in Verbindung gebracht werden, so hätte ein solcher Freimaurer ohne Schurz das Wort Bruder nie verstanden.

Ist nun, so meine zweite Frage im Ingress, das freimaurerische Gedankengut träge oder wenig geglückt umgesetzt worden? Nein. Vielmehr sind die Anforderungen des Bundes derart hoch, dass es alles andere als einfach ist, diese Anforderungen zu leben. Dies drückt sich mit der Arbeit am rauhen Stein aus. Es bedarf des immerwährenden Bemühens. Nie aber ist ausgeschlossen, dass das Silber, dessen Glanz so leicht das menschliche Auge blendet, uns Liebe, Ehre und Vaterland feil werden lassen. Deshalb ist, was für die Wirtschaft recht sein muss, für unseren Orden mehr als nur billig. Es müssen die richtigen Leute an die richtigen Positionen gesetzt werden, damit unsere Kreise nicht verwischt werden und das freimaurerische Gedankengut nicht uminterpretiert werden kann. Eisen, Silber und Gold müssen immer und immer wieder von uns weggeworfen werden. Keiner greife nach den Sternen und niemand setze sich Kronen auf...

Und da ich vom Gedankengut der Freimaurerei zutiefst überzeugt bin, werde ich meine ganze Schaffenskraft dafür einsetzen, dass unsere Kreise nie verwischt werden können. Und vollbringe ich den letzten Kreis eines Tages nicht mehr, so bleibt mir die Gewissheit, dass andere dieses wertvolle Gedankengut für spätere Generationen hüten werden.

Die Alten Pflichten und in deren Gefolge die Statuten und Reglemente der SGLA sowie auch das Leitbild der Brudertreue haben uns Türen aufgestossen, Türen die nie mehr zugehen werden, wenn sie denn nicht von uns selbst zugeschlagen werden. Diese Türen sind aber nicht nur für uns geöffnet worden, sondern für alle Menschen, denen ein menschenwürdiges Dasein, Zwischenmenschlichkeit, Achtung des Mitmenschen, Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit ein Anliegen sind. Viele Menschen haben wir mit unserer Botschaft noch nicht erreicht; viele dieser Menschen können unsere Positionslichter nicht sehen! Weil sie nicht hell genug leuchten? Weil wir sie noch nicht anzuzünden vermochten? Dies, meine lieben Brüder alle, dies ist die Frage die wir uns stellen

MÜSSEN

an die Arbeit, meine Brüder, denn

DIE FINSTERNIS HAT ES NOCH NICHT ANGENOMMEN

Br.�. K.M.